Verweilen im Samengarten

Unser Samengarten ist ein ideales Ziel für einen Ausflug im Freundeskreis oder für einen Betriebsausflug. Eine individuelle Gruppenführung lässt sich perfekt kombinieren mit einem Ausflug per Fahrrad in die herrliche Kaiserstühler Umgebung oder einer Wanderung auf die nahe Eichelspitze, wo der atemberaubende Blick vom Aussichtsturm in den Breisgau und ins Elsass lockt.

Möchten Sie den Rundgang durch den Garten vor Ort mit Kaffee und Kuchen oder einem Vesper ausklingen lassen? Kein Problem - das integrative Eichstetter „Café Mitnander“ beliefert Sie auf Wunsch vor Ort im Garten mit Speisen und Getränken.
Anfragen unter 07663 / 932 313.

 

Erinnern Sie sich? – der Samengarten war im letzten Jahr Teil von

„1000 Gärten- Das Soja Experiment“
 
Dabei handelte es sich um ein Gemeinschaftsprojekt der Life Food GmbH/Taifun-Tofuprodukte, Freiburg, und der Landessaatzuchtanstalt der Universität Hohenheim. Ziel der Initiative war und ist es, Soja bei uns heimisch werden zu lassen, und zukünftig idealerweise den Bedarf an Soja aus heimischem Anbau decken zu können. Damit das funktioniert, bedarf es zunächst neuer, besser an unser regionales Klima angepasster Sorten der wärmeliebenden Soja-Pflanze.

Deutschlandweit wurden in 1700 Gärten verschiedene Sojakreuzungen angebaut. An dieser aktiven Projektphase hat der Kaiserstühler Garten zusammen mit dem ortsansässigen Naturkost-Großhändler Rinklin Naturkost GmbH teilgenommen und 12 verschiedene Sojasaaten aus dem 1000-Gärten-Projekt ausgesät. Über eine Saison hinweg wurden unter anderem Keimfähigkeit, Blüte-, Reife- und Erntezeitpunkt genau protokolliert und die Ergebnisse samt Soja-Ernte eingeschickt.
 
15.000 Sojaproben haben daraufhin die Wissenschaftler der Universität Hohenheim untersucht. Vor allem frühreife Stämme waren interessant, lautet doch das vorrangige Ziel des Soja-Experiments, neue Sojasorten zu entwickeln, die in kälteren Regionen Deutschlands wachsen. Also in Regionen mit einer kürzeren und frischeren Sommerzeit als etwa in Süddeutschland, deshalb müssen diese Sorten schneller reif werden.
Es konnten mehrere frühreife Stämme identifiziert werden! Diese werden nochmals probehalber angebaut, um den Ertrag zu vergleichen. Neben dem tendenziell eher milden Rheintal wurde vor allem das Gebiet um Berlin, Magdeburg und Leipzig als gut geeignet für den Sojaanbau eingestuft.

Unter den Testkreuzungen befanden sich außerdem einige Linien, die in den unterschiedlichen Gärten immer einen relativ hohen Proteingehalt hatten. Je mehr Protein eine Sojabohne enthält, umso besser wird der Tofu. Diese vielversprechenden Kreuzungen wurden zu Taifun geschickt und dort zu kleinen Testtofus verarbeitet.
 
Sie wollen noch mehr zum 1000-Gärten-Experiment lesen? www.1000gaerten.de



Und hier nochmal für alle Interessierten: Wissenswertes zu Soja
 

Pflanze:
Wie Erbse, Linse oder Bohne gehört Soja zur Familie der Fabaceae - den Schmetterlingsblütlern oder Hülsenfrüchtlern. Pflanzen dieser Familie bilden proteinreiche Früchte, die Hülsen aus. Sie leben in Symbiose mit Knöllchenbakterien, denen sie in ihren Wurzeln ein Zuhause geben. Diese Bakterien sind in der Lage lebenswichtigen Stickstoff (aus der Luft) zu binden und ihrem Symbiosepartner in reduzierter Form zur Verfügung zu stellen.
Die Heimat von Soja ist Ostasien. Seit 2800 v. Chr. wird die Pflanze dort wegen ihres hohen Proteingehaltes und ihrer Anspruchslosigkeit kultiviert und zu verschiedenen Lebensmitteln verarbeitet. Nachdem Soja zunächst in den asiatischen Nachbarländern angebaut wurde, erreichte die Pflanze Ende des 17. Jahrhunderts schließlich Europa. Erste Anbauversuche in Mitteleuropa und USA verliefen erfolglos aber durch die Züchtung neuer Sorten kam es vor allem nach dem zweiten Weltkrieg zu einer raschen Ausbreitung des Sojaanbaus in Nord- und Südamerika.
Die Sojapflanze ist sehr wärmeliebend und benötigt viel Wasser. Da es sich um eine Kurztagspflanze handelt, blüht sie nur bei Tageslängen unter 14 Stunden.
 
 
Soja in der Ernährung:
Soja ist von großer Bedeutung in der asiatischen Esskultur und Soja-Lebensmittel halten zunehmend Einzug auch in Europa.
Soja gehört zu den gesündesten und vielseitigsten Nahrungsmitteln. Um schädliche Inhaltsstoffe zu beseitigen wird die Bohne vor dem Verzehr erhitzt.
Soja enthält 40% hochwertige Eiweiße, 20% Fett (mit mehrfach ungesättigten Fettsäuren), Kohlenhydrate, Vitamine und Mineralstoffe.
Sojaöl wird direkt als Salatöl oder zur Herstellung von Margarine verwendet.
Das aus Soja gewonnene Sojalecithin, ein Phospholipid, wird als Emulgator eingesetzt und erlaubt in Schokoladenerzeugnissen, Säuglingsnahrung, Milchgetränken, Kosmetik und vielen weiteren Produkten das Vermischen (Emulgieren) von Fett und Wasser.
Für die Herstellung von Sojasoße werden traditionell ganze Sojabohnen, Weizen, Meersalz und eine Stärkekultur über 18 Monate vergoren. Sojasoße (inzwischen auch industriell hergestellt) wird zum Würzen und Verfeinern verwendet.
Ebenfalls durch natürliche Fermentation entsteht Miso, eine japanische Paste.
Bei Tempeh, einer indonesischen Spezialität, sind gekochte Sojabohnen von einem Edelpilz überwachsen und so fest verbunden.
Aus den reifen Bohnen können Sojamilch oder -joghurt, Sojawürstchen oder -schnitzel und natürlich auch Tofu hergestellt werden. Da es Tofu in unterschiedlichen Konsistenzen und Festigkeitsstufen gibt, kann er sehr vielfältig eingesetzt werden - roh oder gebraten, gefüllt, gekocht, frittiert oder als Suppeneinlage. Im Wesentlichen gibt es zwei Arten Tofu: der bei uns bekanntere feste Tofu wird hergestellt, indem Sojamilch zum Gerinnen gebracht und das ausgeflockte Eiweiß abgeschöpft und zu Blöcken gepresst wird; ein Verfahren, das mit der Herstellung von Quark vergleichbar ist. Weniger bekannt ist hierzulande Seidentofu, für dessen Herstellung die Sojamilch direkt in der Verkaufsverpackung zum Gerinnen bzw. Eindicken gebracht wird
 
Globale Bedeutung:

Nur ein kleiner Teil (ca.3%) der weltweiten Sojaernte wird direkt für die menschliche Ernährung verwendet. 90% der Sojabohnen weltweit werden als Viehfutter angebaut, häufig wird in der Tiermast das Sojamehl verwendet, welches nach Abpressen des Sojaöls übrigbleibt. Sojaöl findet Verwendung in der Kosmetikindustrie und bei der Herstellung von Biodiesel.
Das Soja für die europäische Tierhaltung stammt überwiegend aus Südamerika, vor allem Brasilien und Argentinien. Zunehmender Fleischkonsum führt zu steigender Nachfrage nach Soja. Der damit einhergehende Bedarf an Ackerfläche wird in den Anbauländern durch Brandrodung von wertvollem Urwald und durch die Landenteignung von Kleinbauern gedeckt. Globale Folgen sind die Verstärkung des Treibhauseffektes und der Verlust von Lebensraum vieler Pflanzen und Tiere, weitere negative Folgen sind Armut und Nahrungsmangel bei der heimischen Bevölkerung durch Verlust ihrer Nahrungsgrundlagen.
Der Einsatz von gentechnisch veränderten Sojapflanzen macht (Klein-)Bauern abhängig von großen Saatgutlieferanten. Der verbreitete Einsatz von Pestiziden gefährdet ihre Gesundheit, verseucht Böden und Grundwasser.
Steigende Nachfrage nach Soja führt in Deutschland, auch in Baden-Württemberg, zu immer größeren Anbauflächen. Soja wird hier häufig zum Direktverzehr – in Form von Tofu oder anderen Soja-Produkten - angebaut. Ökologisch und ernährungsphysiologisch ist dies viel sinnvoller, als über den „Umweg“ Tier: 1kg Soja enthält so viel Protein wie 3kg Rindfleisch oder 10l Milch.
Der Anbau in Deutschland findet mit gentechnisch unveränderten Pflanzen statt. Kurze Transportwege sind eine weitere positive Begleiterscheinung.
 
 
 
Das Indianerbeet im Samengarten

Im Samengarten ist in diesem Jahr ein sogenanntes Indianerbeet angelegt. Auf diesem Beet wachsen die drei Schwestern: Mais, Gartenbohne und Kürbis – die drei uramerikanischen Gemüsearten.
Sie werden schon seit mehreren tausend Jahren von den Ureinwohnern Mittel- und Nordamerikas in Mischkultur, also auf einem Feld angebaut. Die ersten waren die Maya, die vor etwa 3500 Jahren begannen, diese Art des Mischanbaus zu betreiben.

Die drei Gemüse besetzen unterschiedliche Nischen im Beet, dabei ergänzen sie sich und gleichen ihre Schwächen aus:
Mais dient als Stütze und Rankhilfe für die Bohnen.
Bohnen reichern für nachfolgende Kulturen im Boden Stickstoff an und sorgen gemeinsam mit dem Mais für Beschattung.
Die Kürbisblätter bedecken den Boden und schützen so vor Austrocknung sowie Unkrautwuchs.
Während die Bohnen sich selbst mit Stickstoff versorgen können (Symbiose mit Knöllchenbakterien) teilen sich Kürbis und Mais in Mischkultur die Bodenschichten auf: Der Kürbis deckt seinen Stickstoffbedarf mit flachen Wurzeln, die Wurzeln des Mais ragen tief in den Boden hinein.
Die Mischkultur ermöglicht auch auf ärmeren Böden relativ hohe Erträge ohne den Boden auszulaugen, ohne künstlichen Dünger und Pflanzenschutz.

Im tropischen Zentralamerika ist diese Mischkultur eingebettet in ein übergeordnetes Fruchtfolgesystem, die Milpa.
In Regionen, in denen während der Regenzeit Humus und Nährstoffe schnell aus den Böden ausgewaschen werden, brauchte man ein Anbausystem wir die Milpa, das den Boden schonend behandelt: Das Fruchtfolgesystem erstreckt sich über mehrere Jahrzehnte. Nach dem intensiven Anbau von Gemüse werden Obstbäume und Edelhölzer gepflanzt. Mit den Jahren entsteht ein kleines Wäldchen. In den Gehölzen sind Nährstoffe gespeichert, welche durch Brandrodung für den nächsten Zyklus intensiver Gemüsekultur freigegeben werden. Zu Beginn eines Milpa-Zyklus werden – mit anderen Gemüsen - die drei Schwestern angebaut, wie es dieses Jahr im Samengarten zu sehen ist.
Für die menschliche Ernährung liefern die drei Schwestern den richtigen Mix aus Kohlenhydraten, Eiweiß, Vitaminen und Mineralstoffen.
 
Sie wollen mehr über „die drei Schwestern“ wissen?
„Das Indianerbeet“ von Natalie Faßmann; pala-Verlag.
 

Mais, Bohne und Kürbis auf einem Teller :
2 Rezepte zum Indianer-Beet

Kürbis-Ofen-Gemüse mit Bohnen und Mais    (glutenfrei, vegan)

ca. 1 kg Hokkaido-Kürbis
3 EL Bratöl 
1/2 TL Meersalz
1/4 TL Pfeffer
ggf. 1/2 TL Garam Masala / Curry
ggf. 5 EL  Kürbiskerne/Sonnenblumenkerne

200 g grüne Bohnen
1 Prise Natron
1/2 TL Salz
waschen, Kerne entfernen, würfeln
in Auflaufform vermischen und abschmecken mit:



untermischen. 20-30 Minuten auf 180 °C Umluft backen

  waschen, kleinschneiden mit

ca. 10-15 Min weichkochen
2-3 Maiskolben/ 1 Glas 
1 Zwiebel                        
1-2 EL Bratöl                 
660 g Tomatensauce       
Kräutersalz, Pfeffer/Chili
 
schälen, Kerne mit Messer runterschneiden
kleinwürfeln
mit Mais und Zwiebeln in Pfanne goldbraun braten, ablöschen mit
abschmecken mit:

 
 


   
                   
warmer Kürbis-Bohnen-Mais-Salat    (glutenfrei, vegan)

ca. 1 kg Hokkaido-Kürbis




200 g grüne Bohnen         
2-3Maiskolben/1Glas                   
1 Prise Natronpulver
1/2 TL Salz         
waschen, Kerne entfernen, würfeln, weichkochen oder auf einem Backblech mit Backpapier 20-30 Minuten auf 180 °C Umluft backen




waschen, kleinschneiden
schälen, Kerne mit Messer runterschneiden, mit


ca. 10-15 Minuten weichkochen

Dressing:
1 kleine Zwiebel kleinwürfeln. Mit
5 EL Sonnenblumenöl        
5 EL Apfelessig/Zitrone    mischen und mit
Kräutersalz, Pfeffer, etwas Muskatnusspulver und Kokosblütenzucker abschmecken.

 

Ausblick:

Seit Jahren ist die Stiftung Kaiserstühler Garten auf verschiedenen Veranstaltungen, Messen und Märkten mit einem Info- und Saatgutstand vertreten. Dieses Engagement, auch außerhalb des Samengartens, soll beibehalten und verstärkt werden.
Hierfür sucht die Stiftung einen Marktanhänger. Haben Sie einen Marktanhänger, den Sie günstig abgeben können und wollen, dann freuen wir uns über ihre Mail info@kaiserstuehler-garten.de oder ihren Anruf Tel: 0162 49 39 727
 
Im nächsten Newsletter widmen wir uns dem Gemüse des Jahres 2017/18, der Steckrübe oder Kohlrübe Brassica napus ssp. napobrassica.

Bis dahin wünschen wir Ihnen eine schöne Sommerzeit!
 

 
 

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(Stiftung bürgerlichen Rechts)

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